Großer des Himmels,
Kraft der Sonne,
Wir rufen Euch bei Euren ehrwürdigen Namen
Michael, Balin, Arthur, Lugh,
Kommt, wie in alter Zeit in dieses Euer Land.
Erhebt Euren leuchtenden Speer des Lichtes um uns zu beschützen.
Schlagt die Kräfte der Dunkelheit in die Flucht.
Gebt uns friedliche Wälder,
Grüne Felder, blühende Orchideen und reifendes Korn.
Lasset uns stehen auf Eurem Berg der Visionen
Und zeigt uns den Weg in die lieblichen Reiche der Götter.



Die Bedeutsamkeit des Sonnengottes für den Mittsommer-Sabbat ist im wahrsten Sinne des Wortes sonnenklar. Zur Sommersonnenwende steht er am höchsten und strahlt am hellsten, sein Tag hat die längste Ausdehnung. Natürlicher und berechtigter Weise grüßen und ehren ihn Hexen auf dem Gipfel seines Jahreszyklus; sie invozieren ihn, damit er “die Mächte der Dunkelheit in die Flucht schlage“ und dem Land Fruchtbarkeit bringe. Mittsommer ist vielleicht das feierlichste unter den Festen in dem Sinne, dass es frohlockt in der Fülle des Überflusses des Jahres, auf dem Höhepunkt des Lichtes und der Wärme.

Doch selbst auf dem Gipfel seiner Freude zieht der Sabbat-Zyklus das was davor und danach kommt in Betracht. Wie die alten Griechen es sagten: “Panta rhei, ouden menei“- “Alles fließt, nichts steht still.“ Das Leben ist ein Vorgang, kein Zustand; und die Hexensabbate sind im Wesentlichen ein Mittel, sich auf diesen Vorgang einzustimmen. Zu Mittsommer wird der Aspekt des Vorgangs also in der anderen Gottesthematik reflektiert - jenem des Eichenkönigs und des Stechpalmenkönigs. Zu Mittsommer unterliegt der Eichenkönig, Gott des Zunehmenden Jahres, seinem Zwillingsbruder dem Stechpalmenkönig, dem Gott des Abnehmenden Jahres, da der strahlende Höhepunkt des Sommers aus eben seinem Wesen heraus zugleich der Beginn der Herrschaft des Stechpalmenkönigs ist, mit dem unausweichlichen Fortschreiten zum dunklen Nadir des Mittwinters, wenn die Reihe an ihm ist, unter den Händen des wiedergeborenen Eichenkönigs zu sterben.

Der mittsommerliche Tod des Eichenkönigs hat in der Mythologie viele Formen angenommen. Er wurde bei lebendigem Leib verbrannt, mit dem Stachel eines Mistelzweiges geblendet oder an ein T-förmiges Kreuz geschlagen; und in alten Zeiten wurde der menschliche Darsteller des Eichenkönigs tatsächlich auf diese Weise geopfert. Sein Tod war von einer siebentägigen Totenwache gefolgt. Als Gott des Zunehmenden Jahres zog sich der Eichenkönig selbst jedoch zu den Zirkumpolarsternen zurück, der Corona Borealis, keltisch Caer Ananrhod - jenes sich drehende Himmelsrad, das die alten Ägypter ikhem-sek, “nicht-die-Vernichtung-kennend“ nannten, weil die Sterne auch Mittwinters niemals unter den Horizont sanken. Hier erwartete er seine ebenso unvermeidliche Wiedergeburt.

Mittsommer ist ein Feuerfest und zugleich ein Wasserfest; das Feuer ist dabei der Gott-Aspekt, das Wasser der Göttin-Aspekt, wie das Ritual deutlich machen sollte.
Mittsommer wird manchmal auch Bealtaine genannt, weil wie am Maienabend Lagerfeuer angebrannt werden; es gab die Meinung, dass dafür in Irland zum großen Teil der Heilige Patrick verantwortlich ist, weil er Irlands “Nacht der Freudenfeuer“ auf den Johannisabend verlegt hat, um die heidnischen Implikationen des Maienabends herunterzuspielen. Er mag die Gewichtung tatsächlich verschoben haben, kaum aber den Namen, da Bealtaine auf Irisch Mai heißt; der Gebrauch des Namens für Mittsommer kann nur in nicht Gälisch sprechenden Ländern aufgekommen sein.

Mittsommer war jedenfalls ein wichtiges Feuerfest in ganz Europa und sogar bei den Arabern und Berbern Nordafrikas; in den keltischen Ländern von geringerer Bedeutung und sich später entwickelnd, weil jene ursprünglicher oder natürlicher Weise nicht solarorientiert waren. Viele der Gebräuche haben sich bis in moderne Zeiten erhalten, oftmals beinhalten sie das Drehen oder einen-Hügel-hinab-Rollen eines Flammenrades als Sonnensymbol.

So wie zu Bealtaine und Samhain (und wie, fürwahr, bei jedem Fest) wurde dem Freudenfeuer selbst große magische Kraft beigemessen. Den Brauch des Feuerspringens und des Durchtreibens des Viehs haben wir bereits erwähnt (unter Bealtaine). Es wurden auch Aschereste auf den Feldern verteilt. Ein verbranntes Rasenstück des Feuers zu Johannisabend galt in Irland als sch6uuml;tzender Talisman. In Flachs anbauenden Ländern glaubte man, die Höhe, in der man über das Feuer zu springen vermochte, sage die zu erwartende Höhe des Flachses voraus. Marokkaner rieben sich eine Aschenpaste ins Haar, um Kahlköpfigkeit vorzubeugen. Ein anderer in Europa weit verbreiteter Brauch war der, durch in der Hand gehaltene Büschel von Lerchensporn oder anderer Blumen auf das Feuer zu blicken, um die Augen zu stärken. Für moderne Hexen ist Feuer ein zentrales Merkmal des Mittsommersabbats ebenso wie zu Bealtaine.